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Akademisches Lehrkrankenhaus für
die Universität zu Lübeck

Parkinson

Parkinson bzw. Morbus Parkinson ist eine langsame fortschreitende neurologische Erkrankung. Hauptmerkmal ist ihr Verursachen von unkontrollierbarem Zittern – einhergehend mit Lähmungserscheinungen. Grund ist das Absterben wichtiger Nervenzellen. Hier ist fachliche Betreuung gefragt, die Ihnen die AUGUST-BIER-KLINIK als modernes Therapiezentrum umfassend bietet. Um Angehörigen und Betroffenen präventiv oder begleitend einen genaueren Blick auf das Thema Parkinson zu ermöglichen, haben wir die meistgestellten Fragen mit passenden Antworten hier für Sie zusammengestellt.

Gibt es Risikogruppen für Parkinson?

Umfangreiche und vielfältige Forschungsanstrengungen konnten bislang keine klar definierten Risikofaktoren für das Auftreten einer Parkinson-Erkrankung feststellen. Es ist daher sehr schwierig, Patienten im Vorfeld des Auftretens der Erkrankung zu identifizieren, die dafür ein hohes Risiko tragen. Daher ist es nicht möglich, eine primäre Prophylaxe durchzuführen. Ebenfalls unmöglich ist es, die Bevölkerung dahingehend aufzuklären, bestimmte Risiken zu meiden, um die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Parkinson-Erkrankung zu mindern.

Molekularbiologische Forschungen haben gezeigt, dass es einige Gene im Erbgut des Menschen gibt, die mit dem Auftreten der Parkinson-Erkrankung assoziiert sind. Eine davon ableitbare Gendiagnostik ist jedoch nicht in Sicht.

Vergleicht man die Auftretenshäufigkeiten für die Parkinson-Erkrankung, so zeigen sich Tendenzen, dass die Landbevölkerung stärker betroffen ist als die städtische Bevölkerung, ohne dass hierfür verlässliche Faktoren benannt werden könnten. Auch scheinen Raucher weniger betroffen zu sein als Nichtraucher.

Ein klares Risikoprofil für das Auftreten der Parkinson-Erkrankung besteht jedoch nicht.

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Welche Symptome haben betroffene Personen?

Die Parkinson-Erkrankung besteht aus vier Hauptsymptomen: Tremor, Rigor, Akinese und posturale Instabilität.

Im Einzelnen bedeutet Tremor ein unkontrollierbares Zittern insbesondere der Arme. Dieses Zittern ist grobschlägig und verstärkt sich bei emotionaler Aufregung. Dies kann insbesondere im Anfangsstadium ein entscheidender Hinweis für das Vorliegen einer Parkinson-Erkrankung sein. Rigor bezeichnet eine Steifigkeit der Arme und Beine, d. h., dass bei passivem Bewegen der Arme ein wechselnder Widerstand gefühlt werden kann. Oft ist fachliche Expertise von Nöten, um eine leichte Steifigkeit in der Extremitätenbeweglichkeit festzustellen. Akinese bezeichnet die Bewegungsarmut eines betroffenen Menschen. Oft ist bei Parkinson-Patienten auffällig, dass die Gesichtsmimik verarmt ist, die Körperhaltung oft von einem vorn gebeugten Oberkörper gekennzeichnet sowie das Gangbild oft kleinschrittig, trippelnd und unsicher ist. Posturale Instabilität bezeichnet die Unsicherheit des Stands. Werden Patienten von vorne oder hinten ohne Vorwarnung leicht angestoßen (Anstoßtest) oder kommen von selbst ins Stolpern, kann es schon zu einem Sturz kommen, da Ausgleichsmechanismen zur Stabilisierung des Standes beeinträchtigt sind.

Die genannten und beschriebenen Grundsymptome sind bei jedem betroffenen Patienten unterschiedlich ausgeprägt und sind hinsichtlich ihrer Zusammensetzung ebenfalls individuell variabel. Daraus folgt unmittelbar, dass jedwede Parkinson-Therapie eine individuelle Therapie an individuellen Patienten darstellt.

In den letzten Jahren hat man festgestellt, dass Parkinson-Patienten bereits lange Zeit vor Auftreten der Erkrankung (oft Jahre vorher) eine Veränderung der Geruchsempfindlichkeit aufweisen. Insbesondere die Geruchswahrnehmung für das Pizza-Gewürzes Oregano ist eingeschränkt, so dass bei Verdacht auf Vorliegen einer Parkinson-Erkrankung ein Geruchstest mit Oregano einen wichtigen diagnostischen Hinweis liefern kann. Auch zeigt sich das Schriftbild von Parkinson-Patienten im Vorfeld des Ausbruchs der Erkrankung in der Weise verändert, dass die Schrift in der Amplitude kleiner und zittriger wird. Auch wird das Sprechen leiser und weniger deutlich artikuliert.

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Was mache ich als erstes bei Parkinson-Verdacht?

Viele Parkinson-Patienten bringen im Vorfeld der korrekten Diagnosestellung eine wahre Odyssee hinter sich. Oft werden die Symptome der Parkinson-Erkrankung, insbesondere während der Frühstadien, verkannt und nicht richtig diagnostiziert, so dass viele Patienten bis 18 Monate auf eine korrekte Diagnose nach Einsetzen der ersten Symptome warten müssen. Die einsetzende Akinese (Bewegungsarmut) führt oft durch einseitige und eingeschränkte Bewegungsmuster zu sekundären Gelenkschmerzen, die nach hausärztlicher Abklärung und Behandlung oft zunächst orthopädisch weiter betreut werden ohne dass die eigentliche Ursache der Beschwerden festgestellt wird.

Auch gibt es eine Reihe von Erkrankungen, die Symptome produzieren, die an ein Parkinson-Syndrom denken lassen, jedoch eine andere Ursache haben. Wichtig ist daher, dass angesprochene Ärzte bei entsprechenden Syndromen an die Möglichkeit denken, dass eine Parkinson-Erkrankung vorliegen könnte. Danach ist die Überweisung auf Parkinson-verdächtige Personen in eine neurologische Facharztpraxis oder in unsere Fachklinik für Neurologie sinnvoll. Hier können alle von der Fachgesellschaft empfohlenen Untersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose zu bestätigen oder zu entkräften und ähnliche Symptome erzeugende Krankheiten auszuschließen oder einer Behandlung zuzuführen. In jedem Fall, so schreiben es die national konsentierten Leitlinien vor, muss eine Computertomographie oder Kernspintomographie durchgeführt werden, um andere Ursachen bzw. Erkrankungen auszuschließen.

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Ist eine schnelle Versorgung wichtig?

Die Meinungsführer zum Thema Parkinson in Deutschland und die nationalen wie internationalen Fachgesellschaften sind sich mittlerweile einig, dass eine schnelle Versorgung bei auch leichter Ausprägung von Parkinson-Symtomen nach einer entsprechenden fachgerechten Diagnostik wichtig für den Patienten und den weiteren Verlauf der Erkrankung ist. Bei der Erkrankung Parkinson fehlt der Nervenbotenstoff Dopamin im Gehirn, der von einem bestimmten Zellverband produziert wird und die Bewegungskoordination im Gehirn steuert. Ein verspätetes Einsetzen einer entsprechenden medikamentösen Ausgleichstherapie, die das fehlende Dopamin ersetzt (oder über alternative Wege ausgleicht) führt im weiteren Krankheitsverlauf zu einem nicht mehr aufholbaren Eintreten relevanter Beeinträchtigungen und im Verlauf der medikamentösen Therapie zu Sekundärkomplikationen. Darunter versteht man Wirkungsfluktuationen der eingesetzten Medikamente (gute/schlechte Wirksamkeit) und Dyskinesien (Überbeweglichkeiten im Wechsel mit starker Steifheit) wie sie in typischer Weise im fortgeschrittenen Krankheitsstadium auftreten können.

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Kann man Parkinson heilen oder das Fortschreiten verlangsamen?

Eine ursächliche Therapie des der Parkinson-Erkrankung zugrunde liegenden Dopamin-Stoffwechsels ist nicht bekannt. Parkinson kann daher nicht geheilt, wohl aber durch das rechtzeitige Einsetzen einer entsprechenden medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapie im Fortschreiten verlangsamt werden. Neuere Medikamentenstudien haben durch Einsatz eines neuartigen Untersuchungsdesigns gezeigt, dass durch eine frühzeitige Therapie der Parkinson-Symptome diese in ihrem Fortschreiten wirksam verzögert werden können. Durch eine rechtzeitige Therapie kann eine Symptombesserung erreicht werden, die bei späterem Therapiebeginn nicht mehr möglich ist. Daher heißt es auch hier, das rechtzeitige Erkennen der Parkinson-Erkrankung ist wichtig, die Annahme der Erkrankung durch den Patienten ist intensiv ärztlich zu fördern und zu begleiten und ein aufgeklärter Patient profitiert in engmaschiger Zusammenarbeit mit dem betreuenden Facharzt effektiv von den eingeleiteten Therapiemaßnahmen. Hierbei ist anzumerken, dass die modernen Medikamente zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung dazu verhelfen, dass während der ersten 6-8 Jahre („Honeymoon“) ein nahezu von den Parkinson-Symptomen unbeeinträchtigtes Leben möglich ist.

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Gibt es unterschiedliche „Parkinsons“? Und Therapien?

Jede Parkinson-Erkrankung ist eine individuelle Erkrankung. Mit Blick auf die genannten Kardinalsymptome der Parkinson-Erkrankung Tremor, Rigor, Akinese und posturale Instabilität gibt es unterschiedliche Parkinson-Typen, bei denen die Beeinträchtigung in einem der vier Grundbereiche im Vordergrund stehen kann. So gibt es z.B. ein tremordominantes Parkinson-Syndrom, ein akinesedominantes Parkinson-Syndrom und gemischte Parkinson-Syndrome. Auch gibt es Patienten, bei denen entweder die Arme oder die Beine vorrangig betroffen sind (lower-body-Parkisonism).

So unterschiedlich wie die individuelle Ausprägung der Erkrankung ist so unterschiedlich ist die individuelle Therapie der Erkrankung. Unter der Vielzahl der vorhandenen Medikamente wählt der Facharzt mit neurologischer Kompetenz diejenigen Präparate aus, die spezifisch zu Verbesserungen der im Vordergrund stehenden Beeinträchtigungen führen. Zentrales Therapieprinzip ist hierbei, das fehlende Dopamin im Gehirn von außen zuzuführen bzw. den Abbau des noch vorhandenen Dopamins zu verzögern oder die Rezeptoren (Andock-Stellen) für das Dopamin im Gehirn zu stimulieren, die aufgrund der reduzierten Dopamin-Menge im Gehirn physiologisch nicht mehr ausreichend gereizt werden können. Zentrales Prinzip hierbei ist es, den beeinträchtigten Dopamin-Spiegel dauerhaft und kontinuierlich auf einem bestimmten Niveau auszugleichen, eine pulsatile Reizung der Rezeptoren zu verhindern und so für den Patienten ein ausgeglichenes Bewegungsprofil über den Tag und die Nacht zu erreichen.

Therapeutisch wichtig ist es, dass sich der Patient nicht sozial zurückzieht und weiterhin körperlich aktiv bleibt. Bei Betroffenen, bei denen die Beeinträchtigungen weiter fortgeschritten sind, sind gezielte Therapien aus den Bereichen Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Neuropsychologie von Nöten, um im Gesamtzusammenhang mit den medikamentösen Therapien ein Paket zu schnüren, dass sie Symptome kontrollierbar hält und für den Patienten bei guter Beweglichkeit einen größtmöglichen Bewegungsradius erhält und zu einer befriedigenden Lebensqualität beiträgt.

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Welche Versorgung bietet mir speziell die Fachklinik AUGUST-BIER-KLINIK?

Personen mit auf Parkinson-Krankheit verdächtigen Symptomen können zur Erstdiagnostik von allen niedergelassenen Kollegen in den akut-neurologischen Bereich der AUGUST-BIER-KLINIK zugewiesen werden. Gemäß den Leitlinien werden alle notwendigen klinischen und apparativen Untersuchungen durchgeführt, um die Diagnose Parkinson als wahrscheinlich zu identifizieren und alternative Erkrankungen auszuschließen. Eine medikamentöse Ersteinstellung kann im Rahmen des diagnostischen Aufenthaltes begonnen werden. Empfehlungen für die weitere Betreuung durch die niedergelassenen Kollegen werden bei Entlassung mitgegeben.

Fortgeschritten erkrankte Parkinson-Patienten können ebenfalls im akut-neurologischen Bereich der AUGUST-BIER-KLINIK betreut werden und profitieren oft von einer Parkinson-Komplex-Behandlung. Diese bietet über die Dauer von ca. zwei Wochen neben einer intensiven ärztlichen und pflegerischen Betreuung inkl. einer Überprüfung und Aktualisierung des individuellen Medikamentenschemas aktivierende Therapien an, um die Mobilität und Selbständigkeit des Patienten zu erhalten oder wieder herzustellen. Während der Parkinson-Komplex-Behandlung werden regelmäßig Therapien der Bereiche Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie sowie Neuropsychologie durchgeführt. Eine Spezialität für Parkinson-Erkrankte ist das Lee-Silverman-Voice-Treatment, das in der Abteilung Logopädie angeboten wird und die Sprachkompetenz und Artikulationsfähigkeit der Patienten verbessert. In Vorbereitung ist das sog. BIG-Trainingsprogramm der Abteilung Physiotherapie, das speziell für Parkinson-Patienten entwickelt worden ist und zu einer lang anhaltend verbesserten Motorik führen soll.

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Finde ich in der Fachklinik AUGUST-BIER-KLINIK eigentlich alle modernen Therapie-Möglichkeiten unter einem Dach?

Die Abteilungen Logopädie, Physiotherapie/Physikalische Therapie, Ergotherapie und Neuropsychologie bieten in enger Abstimmung mit dem ärztlichen Bereich und der Pflege der AUGUST-BIER-KLINIK alle modernen, für Parkinson-Betroffene geeignete Therapiemöglichkeiten an. Das enge Zusammenspiel aller Beteiligten in der Betreuung der Parkinson-Erkrankten wird durch eine wöchentlich stattfindende interdisziplinäre Teamsitzung garantiert, in der die aktuelle klinische Situation der Patienten, deren Bedürfnisse hinsichtlich Teilhabe und Aktivitäten (ICF-International Classification of Functioning, Disability and Health basiert), die angestrebte Entlassung mit einem gleitenden Übergang in den weiterversorgenden Kontext im Mittelpunkt steht. Selbstverständlich bieten alle therapeutische Bereiche ihre Therapien auch im Rahmen der Ambulanzen an. Termine können über die Aufnahme der Klinik (Tel. 04523-405-0) vereinbart werden.

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